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Motorrad-Reifen/ Einfahrhinweise und Profil
« am: 28. Januar 2010, 23:35:25 »


Einfahrhinweise

Neue Reifen haben, bedingt durch den Produktionsprozess, eine glatte Oberfläche. Die volle Haftung ist anfangs noch nicht gewährleistet. Motorradreifen benötigen eine Einfahrzeit von ca. 200 Kilometern mit gemässigter Fahrweise. Während der Einfahrzeit ist die Schräglage in den Kurven langsam zu steigern, Lastwechsel, Schalten oder starkes Beschleunigen in Schräglage zu vermeiden. Ebenso sollten Sie auf Hochgeschwindigkeitsfahrten und Leistungsmessungen auf Prüfständen verzichten, da der Gummi erst durch die erstmalige Erwärmung und die folgende Abkühlung seine endgültige Gefügestruktur erhält. Im Frühjahr/Herbst oder bei schlechter Witterung ist besondere Vorsicht geboten, weil die Einfahrzeit sich aufgrund kälterer Temperaturen verlängert. Erst nach dem Einfahren hat der Reifen seine volle Haftfähigkeit erreicht.



Reifenprofil

Dem Zustand der Reifen ist beim motorisierten Zweirad besonders viel Aufmerksamkeit zu widmen. Schliesslich bilden sie den Kontakt zwischen Maschine und Fahrbahn. Ein wichtiger Faktor hierbei ist das Reifenprofil.

Unumstritten ist auf trockener Fahrbahn der profillose Slick (engl.: glatt) die beste Wahl (Rennsport). Durch die grösstmögliche Kontaktfläche zur Fahrbahn bietet er bestmöglichen Grip. Entscheidende Voraussetzung ist hier der trockene Fahrbahnzustand, der natürlich im Strassenverkehr nicht immer gegeben ist. Auch Rennfahrer müssen bei Nässe auf profilierte Bereifung umsteigen.

Slicks haben mit Alltagstauglichkeit bzw. dem Fahren im öffentlichen Strassenverkehr wenig zu tun, – hier ist ein ausreichendes Profil an Vorder- und Hinterrad Pflicht, um bei allen Wetterlagen gut präpariert zu sein. Eine der Hauptaufgaben des Profils ist die Verdrängung von Wasser, welches den Bodenkontakt der Reifen beeinträchtigt.

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe bei Motorradreifen beträgt laut §36 StVZO 1,6 mm. Und dies aus gutem Grund, denn ein abgefahrener Motorradreifen kann das Fahrverhalten Ihres Motorrades bei Nässe oder Schnee (-matsch) erheblich negativ beeinflussen. Neben dem Verlust des Fahrbahnkontaktes – schon bei niedrigerer Geschwindigkeit (Aquaplaning) – werden vor allem die Bremswege auf nasser Fahrbahn deutlich länger.

Das Aquaplaningrisiko besteht also auch für Motorradfahrer und nicht wie häufig angenommen, nur im Bereich der Pkw bzw. Zweispurfahrzeuge. Die etwas breiteren Pkw-Reifen verzeihen hier zwar weniger als die schmaleren Motorradreifen, dennoch sind die Folgen des Fahrbahnverlustes für den Motorradfahrer wesentlich gefährlicher.

Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern reicht hier jedoch nicht immer aus. Deshalb sollten Sie die Profiltiefe nicht unter zwei Millimeter sinken lassen. Bei Winterfahrten wird sogar geraten, nie unter 4 Millimetern zu fahren.

Moderne Pkw- als auch Motorradreifen sind mit Verschleissanzeigern (TWI = Tread Wear Indicator) ausgestattet. Diese Abnutzungsindikatoren sind stegähnliche Erhebungen, die als Querstege in den Längsrillen der Bereifung integriert sind und dem Fahrer Auskunft über die  Profiltiefe geben. Sobald sie sichtbar werden, muss der Reifen erneuert werden.

Ein Verlass ist jedoch auf die Indikatoren bei Motorradreifen nicht. Denn diese Verschleissanzeiger sind bei den meisten Motorradreifen aufgrund einer amerikanischen Normhöhe erst bei 0,8 mm sichtbar – also viel zu spät. Deshalb empfiehlt sich das regelmässige Nachmessen des Reifenprofils und ein rechtzeitiger Austausch.

Darüber hinaus ist bei einem Unfall, der auf mangelnde Bereifung zurückzuführen ist, ein Mitverschulden nicht ausgeschlossen. Dadurch können sich wiederum Probleme mit der Fahrzeugversicherung ergeben.

Steht eine grössere Tour oder gar ein Urlaub mit dem Motorrad bevor, sollte rechtzeitig an das Reifenprofil gedacht werden, damit nicht schon nach den ersten 100 Kilometern die Profiltiefe im Grenzbereich liegt. Wer einige tausend Kilometer vor sich hat, muss unter Umständen unterwegs einen Reifenwechsel einplanen. Gegebenenfalls schon vor der Tour Ort und Zeit in der Reiseplanung berücksichtigen, um dort die voraussichtlich benötigten Reifen vorzubestellen.

Um jedoch Ärger und Zeit zu sparen, ist bei einer grösseren Urlaubstour ein Wechsel der Bereifung vor Antritt der Fahrt empfehlenswert, auch wenn die „alten Reifen“ noch Profil haben. Das Restprofil der „Alten“ kann nach dem Urlaub weiter auf der Hausstrecke genutzt werden. Die dabei entstehenden Montagekosten sind in Anbetracht der unterwegs gewonnen Zeit und Sicherheit mehr als lohnenswert.

Übrigens: Leichtmofas, Mofas, Kleinkrafträder und Leichtkrafträder weichen von der Mindestprofiltiefe der grossen Kollegen ab: Hier genügt dem Gesetzgeber eine Mindestprofiltiefe von 1,0 mm. Jedoch sind auch hier mindestens 2 mm Profiltiefe empfehlenswert.

Wie und was messe ich?

Die Reifen müssen am ganzen Umfang und auf der ganzen Breite der Lauffläche mit Profilrillen oder Einschnitten versehen sein. Die ausschlaggebende Profiltiefe muss in den Hauptrillen im mittleren Laufflächenbereich gemessen werden (rund Dreiviertel der Reifenbreite). Empfehlenswert ist jedoch das Messen am ganzen Reifen.

Bei der Messung der Profiltiefe immer darauf achten, dass der Messstab senkrecht zum Reifen gehalten wird. Durch ein Schräghalten würde sich der Wert verändern und eine höhere Profiltiefe „vorgaukeln".

Wichtig:
Das Nachschneiden der Profilrillen ist verboten, da es dadurch schnell zu gefährlichen Reifenplatzern kommen kann.




« Letzte Änderung: 27. Oktober 2019, 12:50:25 von Markus »
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